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Untypisch für den Zweiten Burenkrieg mag die Schlacht von Magersfontein gewesen sein. Neben eklatangten Führungsfehlern zeigt sie aber schon Merkmale dessen, was 15 Jahre später das alte Europa zerstören sollte: des Material- und Grabenkrieges.

Von Dr. Elmar Heinz

Bilder: Mag. Reinolf Reisinger

 

Die Briten folgten einem „Hilferuf“ der „uitlanders“ in den Republiken vom Mai 1899 gerne. Mitte November hatten sie genügend Truppen am Kap, um angreifen zu können. Eines der ersten Ziele war Kimberley an der Grenze des Freistaats zum Griqualand (s. S. 220 F4). Die Stadt, in der sich Cecil Rhodes aufhielt, war abgeschnitten. Ein Entsatzversuch führte im Dezember zur Schlacht von Magersfontein, wo konventionell ausgebildete Briten mit locker formierten Buren rangen.

  

In der zweiten Phase der Burenkriege standen sich keine regulären Einheiten mehr gegenüber. Die Buren führten einen Guerilla­krieg. Die Briten entzogen ihnen mit der Strategie der verbrannten Erde die Lebensgrundlage. Zehntausende Zivilisten starben in britischen Konzentrationslagern.

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm

 

Im Sommer 1900 kehrte der Arzt, Abenteurer und Schriftsteller Arthur Conan Doyle aus Südafrika nach London zurück. Der Vierzigjährige hatte als Kriegsfreiwilliger in britischen Militärlazaretten gedient und veröffentlichte noch im Oktober ein vielbeachtetes Buch über den zweiten Burenkrieg, dem 1902 ein weiteres Buch folgte. Für dieses patriotische Werk wurde er geadelt.

Erst wenige Wochen zuvor, am 5. Juni 1900 hatten die Truppen des britischen Oberbefehlshabers in Südafrika, Lord Frederik Roberts (1832-1914) Pretoria, die Hauptstadt des Freistaates Transvaal besetzt. Bloemfontein, die Kapitale der südlicheren Burenrepublik Oranje-Freistaat, war schon am 13. März gefallen.

  

Bereits vor 1899 stellten die Briten ihre Uniformierung teilweise auf Khaki um. Der Kampf in Südafrika bewirkte, daß diese Farben das traditionelle Rot im Feld verdrängte.

Von Alfred Umhey

 

Obwohl man Khakiuniformen in der britischen Armee bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts trug, wurden erstmals im Burenkrieg alle im Einsatz befindlichen Einheiten einschließlich der Landungsabteilungen der Royal Navy in dieser Farbe eingekleidet. Karkee ist das Urdu-Wort für Staub. Die verschiedenen Töne reichten von mausgrau bis gelbgrün, je nach Stoff, Hersteller und Alter. Interessanterweise mußte der leichte Khaki­drell der aus Indien eintreffenden Truppen durch ein dickeres Wollgewebe ersetzt werden. Da sich diese Felduniform bewährte, wurde mit Armeebefehl Nr.10 vom 1. Februar 1902 das Khakituch allgemein für die Dienstuniform bestimmt. Der für die britische Armee emblematische rote Rock verblieb allerdings als Paradeuniform. In nur zwei Jahren änderte sich die Uniform der Briten grundlegend. Wie in fast allen Feldzügen des 19.Jahrhunderts zogen die Soldaten sehr schnell die Konsequenzen aus der hier besonderen Situation und aptierten die Uniform unter praktischen Gesichtspunkten.

 

  

Das britische Heer war über alle Besitzungen verstreut, um dort den Herrschaftsanspruch aufrecht zu erhalten. Zum Kampf gegen die Buren mußten die Briten deshalb die Reserve der Heimatarmee anzapfen.

Von Dr. Elmar Heinz

 

Der Herzog von Cambridge, lange Jahre Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte, rang den Niederlagen bei Kriegsbeginn etwas Tröstliches ab: „Der Krieg in Südafrika geht vorläufig nicht besonders, über seine politische Seite und Entstehung läßt sich viel sagen. Aber er gibt dem englischen Adel Gelegenheit, zu zeigen, daß er noch zu sterben weiß, und das freut mich“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die britische Armee bis auf sieben Jahre ununterbrochen viele kleine Einzelkonflikte in allen Ecken der Welt durchgefochten. Deren Erfahrungen waren für die jeweils folgenden kaum brauchbar und auch nicht systematisch ausgewertet worden.

 

  

Das gesamte 19. Jahrhundert zogen sich die Auseinandersetzungen zwischen Buren und Briten wie ein blutroter Faden durch die Geschichte des südlichen Afrikas. Sie endeten 1902 mit der vernichtenden Niederlage der Buren. Wie konnten sie so lange erfolgreich dem übermächtigen Empire trotzen?

 

Von Gerhard Ortmeier M.A. und Dr. Elmar Heinz

 

Die Geschichte der Buren begann 1652, als die umtriebige niederländische Ostindien-Kompanie für ihre Segelschiffe mit Kapstadt eine Zwischenstation auf dem Weg zu den fernöstlichen Kolonien errichtete. Es folgte eine Welle niederländischer, deutscher und französischer, meist hugenottischer Auswanderer, die unter holländischer Schirmherrschaft weite Teile Südafrikas besiedelten. Die widrigen Umstände, zu denen neben den Herausforderungen der Natur auch heftige Auseinandersetzungen mit schwarzafrikanischen Stämmen zählten, formten aus den Einwanderern rasch einen harten, anspruchslosen und unabhängigen Menschenschlag. Die Siedler lebten von der Landwirtschaft, oftmals als halbnomadische Viehzüchter. Deshalb bürgerte sich ab dem Ende des 18. Jahrhunderts für sie der Begriff „Boers“ oder „Buren“ ein. Sie selbst bezeichneten sich allerdings als „Afrikaaner“.

  

Der Charakter dieses Krieges ist stark von den geographischen Gegebenheiten beeinflußt. Kaum zu überwindende Gebirge, fehlende Verbindungswege und weite, menschenleere Gebiete erschwerten Nachschub und Truppenbewegungen. Für kleinere Gruppen hingegen war das Gelände ideal.

 

Von Dr. Elmar Heinz

 

Das Gebiet, in dem sich der Zweite Burenkrieg abspielte, umfaßt rund 350 000 km2. Es liegt zumeist zwischen 1000 m und 1600 m über NN. Im Süden liegen abschüssige Berge, im Norden weite Öden. Das große Zentralplateau umfaßt das südliche Betschuanaland, die gesamte Südafrikanische Republik, den Oranje Freistaat und die nördlichen und zentralen Teile des Kaplandes. Im Westen senkt sich das Hochland stufenweise bis auf den Meeresspiegel ab. Im Süden trifft es terrassenförmig auf den Atlantik. Im Osten schließt es der Drakensberg ab, dessen Ausläufer sich sternförmig bis Portugiesisch-Ostafrika weit ins Land ziehen.

  

Wenn sich unter dem Drakensberg Briten mit Buren schlugen, war das kein lokaler Konflikt, sondern hatte direkte Auswirkung auf das Verhältnis der Mächte in Europa – und damit der Welt. Der jahrelang schwelende Konflikt stellte die Weichen für die Bündnisse, die sich 1914 gegenübertreten sollten.


Von Dr. Elmar Heinz

Mitte der 1890er Jahre war Großbritannien eine Weltmacht, deren Besitzungen sich über den gesamten Globus erstreckten. Der Zweite Burenkrieg bewirkte, daß es seine „splendid isolation“ aufgab und Verbündete in Europa suchte. Es entwickelte sich ein Spiel von Werbung und Ablehnung, in dem Personen, Charaktere und Stimmungen große Bedeutung erhielten. Am Ende waren die Weichen für die Neugestaltung der europäischen Bündnisse gestellt.

Machtverhältnisse in Afrika. Der afrikanische Kontinent bestand in der 1890er Jahren für die europäischen Mächte vor allem aus weißen Flecken auf der Landkarte. Hier hatte noch niemand Herrschaftsanspruch geltend gemacht. An der Nordküste, der Goldküste und am Äquator waren Küstenstriche mit Beschlag gelegt. Der spanische Kongostaat war in Zentralafrika das erste zusammenhängende Gebilde.

  

Die Armeen Österreich-Ungarns wurden nach 1866 modernen Erfordernissen angepaßt. Auf Dauer konnte die Doppelmonarchie aber beim Wettrüsten nicht mithalten.

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm

Die Niederlagen Österreichs in Norditalien und Böhmen hatten nicht nur den militärischen Fachleuten gezeigt, daß die einst glanzvolle Armee unter dem Doppeladler den Anforderungen eines modernen Krieges längst nicht mehr gewachsen war. Als sich in der Krise um die spanische Thronfolge im Sommer 1870 (s. RWM 02) für die gedemütigte Donaumonarchie scheinbar die Chance bot, sich an der Seite Frankreichs gegen Preußen zu revanchieren, scheiterte bereits die von Kriegsminister Franz Frh. Kuhn von Kuhnenfeld (1817-1896) mit aller Energie betriebene Teilmobilmachung. Es fehlte an Montierungen und Uniformen, auch das neue Werndl-Hinterladergewehr war bis dahin nur an die Hälfte der Regimenter ausgeliefert worden.

  

Alter ist kein Verdienst – aber auch kein Grund, die Daseinsberechtigung abgesprochen zu bekommen. Das Habsburgerreich geriet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Ruf alternd, schwach und eigentlich dem Untergang geweiht zu sein – zu Unrecht.

Von Dr. Elmar Heinz

Im Gegensatz zur Herrscherdynastie der Habsburger war „Österreich-Ungarn„ so alt gar nicht. Erst 1867 waren mit dem „Ausgleich„ aus dem Kaisertum Österreich zwei Reichshälften entstanden. In den vorangegangenen Jahren war das Kaisertum systematisch zerschmettert worden. Das aufstrebende Königreich Italien hatte Habsburg 1859 aus Norditalien verdrängt, Preußen ihm 1866 die Vormacht im Deutschen Bund endgültig entrissen. Der Ausgleich führte 1867 zur Gleichberechtigung der größten Volksgruppen, der Ungarn und der Deutschen. Hätte man auch den kleineren Volksgruppen eine ähnliche Autonomie gegeben, wäre die „Monarchie auf Kündigung„ in einer Zersplitterung ähnlich der vor 1806 zurückgefallen.

Das französische Armeemuseum im Hôtel des Invalides Paris zeigt vom 9. Oktober 2010 bis zum 23. Januar 2011 eine Ausstellung zum Thema "Au service des Tsars : la Garde impériale russe,de Pierre le Grand à la Révolution d’Octobre" - Im Dienste des Zaren - die kaiserlich russische Garde von Peter dem großen bis zur Oktoberrevolution.