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Oft wurde der letzte französische Kaiser als „kleiner Napoléon“ bezeichnet. Allerdings zeichnete er sich eher durch seine schillernde Persönlichkeit als durch das Führen von Kriegen aus. Das unterschied ihn von seinem Onkel Napoléon I. Otto von Bismarck hat ihn aus seiner speziellen Sicht gewürdigt.

Von Martin Bay

Wer Napoléon III. mit seinem Onkel vergleicht, läßt oft außer Acht, daß Louis Napoléon Frankreich doppelt so lange regierte und in diesen Jahren ein bestimmender Faktor der Politik in Europa und Amerika wurde. Bereits vor seinem Amtsantritt als Präsident der zweiten Republik fiel er durch das Schreiben von programmatischen politischen Schriften wie „Idées Napoléoniennes“ (1837) oder „L‘extinction du paupérisme“ (1840) auf.

Bismarcks Perspektive. Charles Louis Napoléon Bonaparte hatte es innerhalb von zwölf Jahren von einem Festungshäftling zum zweiten Kaiser der Franzosen gebracht. Daß sich der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck deshalb häufig mit Napoléon III. beschäftigte, war folgerichtig. Es war weniger eine Bewunderung, denn eine vorsichtige Einschätzung des Kaisers als politischen Gegenspieler der preußischen Staatsziele in Europa.
Bismarck betrachtete seinen französischen Gegenspieler ohne persönliche Abneigung. Er gab vielmehr das Frankreichbild wieder, welches im Deutschland des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts generiert wurde. In einem Brief an den von ihm zur „Hofkamarilla“ gezählten Generals Ludwig F. L. von Gerlach vom Mai 1857 schrieb Bismarck:

„Es ist natürlich, daß die brutale Unterdrückung, die schändliche Behandlung unsres Landes durch den ersten Napoléon in Allen, die es erlebt haben, einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat und daß in deren Augen das böse Princip, welches wir heut in Gestalt der Revolution bekämpfen, sich mit der Person und dem Geschlechte dessen identificirt, den man l‘heureux soldat héritier de la révolution nannte. Aber Ludwig XIV. hat nach seinen Kräften nicht weniger heidnisch in Deutschland gewirthschaftet und mit nicht weniger Recht den Haß aller rechtschaffenen Leute auf sich gezogen als Napoléon, und Letzterer, wenn er mit seinen Anlagen und Neigungen als Sohn Ludwigs XVI. geboren wäre, hätte uns vermuthlich auch das Leben sauer genug gemacht. Ich glaube, Sie bürden dem jetzigen Napoléon zu viel auf, wenn Sie gerade in ihm und nur in ihm die zu bekämpfende Revolution personificiren und aus diesem Grunde eine Art von Proscription über ihn aussprechen, so daß es wider die Ehre sei, mit ihm umzugehen“. ...

Den vollständigen Artikel finden Sie in RWM-Depesche 14 auf den Seiten 942 bis 944. 

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